Vernissage der Ausstellung „Aus dem Leben gegriffen“ – Zeichnungen und Malereien von Robert Steidl

Einführende Worte des Künstlers:

Ein Motiv aus dem Leben gegriffen ist rational gesehen erst mal tot und technisch – aber darin befindet sich auch die mentale lebendige Welt.

Das reproduzierte Bild wird zum Träger menschlicher Befindlichkeiten und zur Projektionsfläche für den Betrachter, dessen innere, individuelle und empirische Realität das Gesehene modifiziert. Das heißt der Rezipient identifiziert sich mit dem Bild – was aber nie bruchlos gelingt.

Meine Arbeiten zeigen Sequenzen aus dem Alltag, die Stimmungen in Gesichtern und Körperhaltungen spiegeln – der Augenblick wird konserviert, die Zeit wird angehalten und bleibt dennoch im Erwarten des nächsten Zeitabschnitts dynamisch. 

Zum Beispiel in der freudigen Erwartung auf die Ankunft am Urlaubsort (Amelie und Ini auf der Fähre), die Anspannung beim Schreiben der Schulaufgabe, wie viel Zeit habe ich noch (Anna schreibt eine Schulaufgabe im Fach Englisch), der Patient muss die ambulante Behandlung abwarten und hofft auf baldige Genesung (Notaufnahme), auf dem Parkplatz vertreibt man sich die Zeit mit dem Handy und wartet auf den Rest der Familie, der sich beim Einkaufen im Coop Zeit lässt (Eveline und Fenna in Portoferraio).

Solche Gefühle sind uns vertraut. Jeder kann diese Gefühlserfahrungen beim Anblick der Arbeiten auf das jeweilige Bild übertragen, ohne aber unmittelbar im Hier und Jetzt des Alltags mit seinen alltäglichen Interessen und Befindlichkeiten involviert zu sein – die Gemütsbewegung bleibt distanziert.

Bei vielen Bildern dieser Ausstellung dient mir als Basis die Fotografie. Dies hat zur Folge, dass der Betrachter sich bereits im Inneren des Bildes befindet, bevor er realisiert wie abstrakt und reduziert es ist. Die Kriterien, die für ein gelingendes Urlaubsfoto üblicherweise maßgeblich sind – der Wert des Abgebildeten und die Qualität der gegenständlichen Erkennbarkeit – spielt für mich keine Rolle. 

Eine Wiedergabe bis ins kleinste Detail verhindern schon die Malmaterialien, die ich verwende und wie ich damit umgehe. Vor dem Arbeitsprozess wird die komplexe visuelle Außenwelt gefiltert und adäquat auf die malerischen Substanzen, Mittel, und Verfahren abgestimmt. 

Ich verwende kein Raster und projiziere auch keine Vergrößerung der Fotografie auf die Leinwand. Oft dient mir nur das Handy oder Tablet als Vorlage.

Während des Malens steuern Entscheidungsketten die Bildentstehung – kalkulierend-rationale und intuitive Phasen wechseln sich ab, treiben voran oder auch nicht. Es ist ein Balanceakt die Kontrolle über die darstellende, expressive und emotionale Bedeutung der Szene zu behalten. Wenn Kontrast, Angleichung, Farbe, Form, Idee, Inhalt, Ordnung und Zufall (Serendipität) sich allmählich zu einer bildlichen Ganzheit fügen, dann ist das Ziel in greifbarer Nähe.

Zu wissen, wann man aufhört oder weiter macht, ohne allzu kontrolliert und bestimmend zu sein, ist eine Frage, die mitten ins Herz des künstlerischen Ausdrucks trifft (Erik Fischl).

Vernissage der Ausstellung „heiter bis wolkig“ – Bilder von Christoph Herrmann

Am 15.03.2019 fand in der Kunstgalerie Altes Rathaus in Schwarzenbach an der Saale die Eröffnung der Ausstellung „heiter bis wolkig“ mit Bildern von Christoph Herrmann aus Schwarzenbach statt. Musikalisch wurde sie umrahmt von Nicolai Herrmann und Concetta Perdichizzi, die sowohl eigene Songs als auch ein Cover von Celentano unplugged vortrugen.

Die Laudatio auf den Künstler hielt Bernd Rössler, hier seine Ausführungen in Auszügen:

„Das Schöne an Christoph Herrmanns Malerei ist, dass sie so zugänglich ist – zugänglich weil gegenständlich und in Motiven lesbar. Wir erkennen Bekanntes und Geläufiges, es fällt uns leicht die Bildinhalte zu erschließen. Alles erscheint schlüssig auf den ersten Blick, alles ist gut.

Alles scheint gut. Bis man bei intensiverer Betrachtung erkennt, dass da manche Dinge etwas merkwürdig sind – Elemente gar skurril und deplatziert erscheinen. Dann macht sich Unsicherheit breit, eine gewisse Beklommenheit sogar, weil man als Betrachter gefordert ist – hat man denn alle Hinweise und verborgenen Anspielungen schon entdeckt und entschlüsselt, oder ist einem vielleicht noch etwas entgangen? So verunsichert und gleichzeitig zur Suche animiert wandert man dann durch jedes einzelne Bild und durch die gesamte Ausstellung hindurch.

Christoph Herrmanns Prinzip ist grundlegend für die gegenständliche Malerei: Die simple Wiedergabe der Wirklichkeit sagt einfach nichts über die Wirklichkeit aus, sie bildet sie nur ab. Ein dürres Gerippe aus Abbildern wird erst dann bedeutungsvoll, wenn fantastische Elemente hinzukommen. Nur wenn es keine durchgängige Rationalität gibt, entsteht Wirklichkeit: das Auge sieht, das Hirn ergänzt, die Wirklichkeit ist ein Mix aus alledem.

Christoph Herrmann malt gegenständlich, weil es für das, was er tut und vermitteln will genau das richtige ist – oder auch das einzig Mögliche… Wie oft liest man im Feuilleton eine Bemerkung von ‚…. malt noch gegenständlich, als wäre das einen Phase des Lebens die man hin zur Abstraktion gehen müsse, etwa gleich der Pubertät oder so wie man eine schwere Grippen übersteht. Wer Geschichten erzählen will tut gut daran diese bildhaft zu vermitteln. – Wie auch sonst? Warum auch nicht das tun, was Maler schon immer getan haben: malen. Menschen, Tische, Stühle, Bäume, Wiesen, Häuser…? Die interessanten Gedanken sind selten einfach – das gilt sicher auch für die Malerei. Wir wollen gefordert werden. Christoph Herrmann fordert uns – seine Bilder sind vielschichtig, nicht nach einfachen Regeln aufgebaut. Eine Vereinfachung ist nicht möglich und auch nicht erwünscht.

Wir  haben gemeinsam eine Weile gerätselt in welche Kategorie man Christophs Malerei einsortieren könnte. Wir streben ja nach Klassifikation und lieben die Ordnung. Ist es Surrealismus? – Zu real, zu wenig Absurdität und Traum. Magischer Realismus? – Realität verschmolzen mit Halluzination und Traum, schon eher… Dietrich Kelterer hat sie mal eine ‚literarische Malerei‘ genannt. Vielleicht kommen wir damit der Sache noch etwas näher. Oder „narrative Malerei“, wie sie der Künstler selbst bezeichnet – diesen wenig gebräuchlichen Begriff haben wir jetzt nicht gerade selbst erfunden, vielmehr steht er für eine Bildgeschichten erzählende Arbeitsweise – was das hier zu sehende ja durchaus charakterisiert.

Bei vielen Bildern von Christoph Herrmann ist es so: allzu offensichtliche Heiterkeit, die Schönheit als einzigen Zweck eines Bildes darf man nicht erwarten – Wo es zu nett wird lauert die Gefahr, Unwahres zu erzählen oder in die Belanglosigkeit abzurutschen. Achtung, Zitat: ‚Die Idylle muss bröckeln, sonst ist sie nicht erträglich.‘ Heiterkeit oder gar Trost werden nicht geliefert – aber die Hoffnung möchte schon sein.“

Eröffnet wurde die Ausstellung durch den 1. Bürgermeister von Schwarzenbach an der Saale, Hans-Peter Baumann. Die Ausstellung ist noch bis zum 21. April jeden Sonntag von 14 bis 16 Uhr geöffnet.